#42 - Karrierewege nach dem Medizinstudium - USA

Shownotes

Hals über Kopf – ein Podcast über alle Themen der HNO.
Wir sind noch immer in den Semesterferien und sprechen daher thematisch noch über Karrierewege nach dem Medizinstudium.
In dieser Ferien-Sonderfolge sprechen wir über einen möglichen Karriereweg direkt nach dem Medizinstudium- Postdoc und klinische Tätigkeit in den USA. Wir haben hierzu einen Gast bei uns, der uns unserer Fragen zum Sprung über den großen Teich aus eigener Erfahrung beantworten kann.

Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:12: Hallo und herzlich willkommen zur Folge forty-two von Hals über Kopf, dem Podcast über alle Themen der halsnasen Ohnhaltkunde um Kopfhaltschirurgie.

00:00:22: Mein Name ist Tobias Albrecht und bei mir sitzt wie immer Stefan Wolpert.

00:00:26: Hallo Stefan,

00:00:27: hallo Tobias.

00:00:28: Ja heute ist unsere dritte Sonderfolge Karrierewege in der HNO

00:00:33: und nachdem wir in den ersten beiden Sonder folgen einmal über den Karrierenweg an der Uniklinik und in der zweiten Sonder Folge über den karriere Weg Niederlassung gesprochen haben gehen wir heute bei den großen Teich.

00:00:47: ja und dabei es mir eine besonders große Freude dass meine Freundin Judith Kempfle heute da ist weil sie als Referentin bei unserem weltberühmten Ohrkurs heute zugegen ist.

00:00:59: Hallo Judith!

00:01:03: Ja, schön dass es geklappt hat denn so ein Orkurs ist ja auch immer ziemlich busy und wir zwei kennen uns ja schon ziemlich lange ich weiß gar nicht, fünfzehn Jahre oder sowas?

00:01:13: Und wir haben uns hier in Tübingen kennengelernt.

00:01:15: aber das war nicht deine erste Arbeitsstelle nach dem Studium sondern du bist glaube ich gleich in die USA gegangen.

00:01:22: Ja, und vielleicht fangen wir mal damit an.

00:01:25: Was sind denn so Gründe nach dem Medizinsstudium direkt in die USA zu gehen?

00:01:31: Ja bei mir lag es dran dass ich ursprünglich Neurologie machen wollte oder Neuroschirurgie und auch meine Doktorarbeit in den Bereich gemacht habe und eigentlich erst sehr spät zur HNO kam und dann beschlossen hab das mir die Forschung zwar sehr Spaß macht aber ich überhaupt gar keinen Forschungs Hintergrund in der HNO habe.

00:01:52: In die HNO einsteige ich, die Möglichkeit noch mal nutzen wollte.

00:01:56: Zusätzliche Forschungserfahrungen zusammen in dem Thema und mir dann eben einen Labor an den USA gesucht habe

00:02:02: dafür.".

00:02:03: Das heißt, dein Karriereweg war nach dem Medizinstudium erstmal in die Forschung und ins Labor?

00:02:09: Genau!

00:02:09: Postdoc in den USA direkt.

00:02:11: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen um als deutscher Medizinstudierende oder dann fertig abprobierte Ärztin in den USA überhaupt ins Labor zu kommen?

00:02:22: Die erste Frage ist immer, ob man einen Antrag und Geld mitbringen kann.

00:02:27: Und ich habe zum damaligen Zeitpunkt beim DAAD einen Antrag gestellt und auch über eine private Stiftung die mir dann das erste Jahr auch bezahlt haben und hab dann als ich in den US war dort nochmal weitere Anträge geschrieben.

00:02:40: aber das war die erste Hürde und dann die zweite hürde wahrscheinlich das Visum.

00:02:46: Wenn man ein Labor gefunden hat und auch dann einen Mentor, sind die oft sehr hilfreich.

00:02:52: Dass man auch gemeinsam sich darum kümmert dass das mit dem Visum klappt und dass die entsprechenden Unterlagen ausgefüllt werden?

00:02:59: Jetzt bist du ja nicht in irgendeinen Labor gegangen sondern gleich eigentlich zur Krone der Schöpfung der otologischen Forschung würde ich sagen oder einer der wirklich berühmtesten Kliniken nach Boston ans Messerl in Irr.

00:03:13: Du bist dann direkt als Postdoc eingestiegen.

00:03:17: Das ist ja eben dieses Postdoc PhD in Deutschland, USA.

00:03:21: das ist ja nicht genau das gleiche wird ein bisschen homologisiert.

00:03:25: würdest du da was?

00:03:26: kannst du dafür Tipps geben?

00:03:27: wie kommt man da besser rein?

00:03:30: Also sobald das Medizinstudium abgeschlossen ist und mal den medizinischen Doktortitel hat, zählt man automatisch als Postdoc.

00:03:37: Und deswegen gab es bei mir gar keine andere Möglichkeit als direkt als Postdog anzufangen.

00:03:41: Ich habe damals keinen MD-PhD oder keinen Rehrmet hieß des noch in Ulm damals.

00:03:47: Den hatte ich nicht gemacht aber ich wurde dann automatisch gleich als postdoc eingestellt.

00:03:52: Okay!

00:03:53: In Deutschland wird man ja häufig so ein bisschen ausgenutzt.

00:03:58: Die Postdocs haben dann häufig nur eine halbe Stelle oder eine Dreiviertelstelle und arbeiten dann aber voll, um weiterzukommen.

00:04:07: Ist manchmal auch mit der Vergütung nicht so einfach.

00:04:09: wie ist es in den USA?

00:04:11: Mittlerweile besser geregelt, also es gibt so eine Grundvergütung.

00:04:14: Die hängt auch ein Stück weit davon ab in welchem Staat man sich befindet und in welcher Stadt.

00:04:19: zum Beispiel für Boston muss man zusätzlich mehr Geld entweder mitbringen über den Antrag oder dann muss vom Labor noch zugeschossen werden weil einfach die Stadt sehr teuer ist.

00:04:29: aber man wird jetzt als Postdoc nicht reich.

00:04:32: Für viele ist nach dem Medizinstudium das Labor zu gehen erstmal so ein bisschen unklar.

00:04:38: was erwartet mich da Wenn ich so als Arzt arbeite, das habe ich da im Studium schon.

00:04:42: Da kann ich mich schon gut darauf einstellen und weiß wie mein Arbeitsalltag aussieht.

00:04:46: Wie sieht denn ein Arbeitsalltag?

00:04:49: Ein typischer Tag im Labor aus wenn ich mich dafür entscheide?

00:04:53: also Ich bin ja in einen Grundlagenlabor gegangen Und das kannte ich auch schon von meiner Doktorarbeit davor.

00:05:00: Also ist es tatsächlich so dass ich gleich in die Tierforschung mit eingestiegen bin und ich als allererstes Alles zur Tierforschung gelernt habe und dann zusätzlich zu dem Thema, in meinem Fall war es Stammzellen- und Regeneration des Innenuhrs.

00:05:16: Mir dann die älteren Kollegen im Labor die Methoden beigebracht haben und man dann aber selber seine eigene Fragestellungen, die man bekommt nach den ersten vier Monaten auch unabhängig weiter bearbeitet und da gehört dazu das verschiedene Methoden selber durchführen muss, selber auswerten muss und dann vielleicht auch noch weiterführen oder noch neue Methoden entwickeln muss.

00:05:42: Wir wissen so der Workload dort ich sehe das hier die laufen also in meiner Arbeitsgruppe laufen die Biologen dann typischerweise um neun rein und gehen dann um acht abends wieder raus.

00:05:53: Das ist ein bisschen andere Arbeitszeiten als wir Ärzte im klinischen Alltag haben.

00:06:00: Ja, also es kommt auch ein bisschen aus Labor drauf an.

00:06:03: Generell startet der Alltag ein bisschen später als jetzt in der Klinik würde ich sagen aber dann kann's oft sein dass man doch sehr lange abends bleibt und nach am Wochenende dann mal noch dort ist.

00:06:13: Also Arbeitszeitenbeschränkungen gibt's da keine.

00:06:17: Und wenn ich ins Labor gehe Meinst du, es gibt große Unterschiede?

00:06:21: Ob ich jetzt in dem Labor in Boston besuche oder woanders im Labor bin.

00:06:27: Oder sind die Arbeitsbedingungen und die Rahmenbedingung vergleichbar?

00:06:31: Also ich würde schon sagen in den Laboren, die ich so kenne war der Druck relativ hoch im Boston, dass man dann auch sein Projekt fertig bekommt vielleicht noch andere Projekte anfängt.

00:06:44: Auch der Wettbewerbsdruck untereinander ist schon da, aber ich war jetzt in keinem sehr toxischen Labor so was nicht.

00:06:51: Ja du bist dann ja wieder nach Deutschland zurückgekommen?

00:06:53: Der Schritt zurück!

00:06:55: In Anführungszeichen nicht als Rückschritt sondern als Fortschritt im weiteren Sinne.

00:07:01: Was waren die Gründe und wie hat sich das angefühlt wieder hier zu arbeiten?

00:07:06: Du hast ja auch hier im Labor gearbeitet neben der Klinik.

00:07:09: Ja das stimmt.

00:07:11: also Ich hatte das eigentlich nur als einen umschriebenen Postdoc gesehen und dann meine Vorstellung war, ich komme zurück und fange die Fahrharzausbildung an.

00:07:20: Und während dem Postdoc hatte ich mich dann auch schon an verschiedenen Stellen beworben und hatte schon die Zusage von Tübingen und wollte eigentlich auch meine Fahrharzausbildung in Deutschland weitermachen und fertig machen.

00:07:32: Natürlich, wenn man vier Jahre davor im Labor war, das ganz hinter sich zu lassen wollte ich auch nicht.

00:07:38: Also ich habe dann gesagt, ich mache hier soweit's Mögliches neben der Klinik ja noch ein bisschen die Forschung weiter in einem Grundlagenlabor mit dem ähnlichen Thema.

00:07:46: So bin ich da nach Tübingen gekommen.

00:07:48: Jetzt

00:07:48: hattest du ja hier in Deutschland begonnen mit der Facharztweiterbildung und bist ja letztlich dann auch klinisch tätig.

00:07:56: zurück in die USA?

00:07:58: Jetzt, um ins Labor zu gehen reicht ein abgeschlossenes Medizinstudium.

00:08:03: Richtig!

00:08:03: Welche Voraussetzungen brauche ich denn vielleicht auch nach dem Medizinstudium, um in den USA-Klinik stetig zu werden?

00:08:10: Ja da wird es noch ein bisschen kompliziert da.

00:08:12: also zum einen muss man die amerikanischen Staatsexamen machen, die zum Studium dazugehören.

00:08:21: Da gibt es drei Steps.

00:08:22: zwischendurch gab's mal zwei jetzt gibts wieder drei.

00:08:25: davon muss man mindestens zwei Bestanden haben um als Assistent anfangen zu können Und man muss durch einen Matchprozess durch.

00:08:32: Das heißt, die ganzen internationalen Anwärter werden zusammen mit den Amerikanern einen Topf geworfen und da wird dann auf die Noten geguckt und so ein bisschen was man noch zusätzlich gemacht hat.

00:08:43: Wenn man entsprechend gut ist, dann wird man eingeladen und wird auch interviewt.

00:08:49: Dann gibt es am Ende eine Rankliste von dieser Liste aus.

00:08:52: Es wird alles zentralisiert über den Computer gemacht, wird dann entschieden wer wohin geht.

00:08:58: Prinzipiell ist es für internationale Applicants immer deutlich schwieriger reinzukommen.

00:09:05: Deswegen würde ich immer vorschlagen und machen eigentlich auch alle vorher Forschung schon mal irgendwo gemacht zu haben, das hilft dass man Leute kennenlernt, das helft dass man Verbindungen knüpft und dass man dann vielleicht auch schon mal eine klinische Rotation oder so macht.

00:09:20: Ich habe ja auch meinen PIOT und zwei Formulaturen in den USA gemacht.

00:09:24: Das heißt, hat man dann überhaupt eine Auswahlmöglichkeit?

00:09:28: Also wenn mal jetzt eingeladen wird und man sagt nee ist jetzt nicht mein Ding oder man lehnt diese Einladung ab.

00:09:34: Was passiert denn?

00:09:36: Also grundsätzlich gilt was soll sich bei so vielen wie möglich bewerben?

00:09:39: und du kannst natürlich auch deine eigene Rankliste einreichen.

00:09:43: das heißt du schreibst auch hin okay allen besten gefallen hat mir das sondern gehste deine Liste runter bis keine Ahnung.

00:09:49: Nummer zehn Nummer zwanzig.

00:09:51: Aber am Ende entscheidet der Computer und es geht darum, welche Institutionen die ich auch relativ hoch gesetzt hat im Verhältnis.

00:10:00: Aber da es für HNO relativ schwierig ist überhaupt einen Platz zu bekommen, ist es selten so dass man dann am Ende vielleicht das bekommt was jetzt zur Traumstelle wäre.

00:10:13: Weißt du, wie momentan das Verhältnis ist?

00:10:16: HNO-Bewerbungen auf Plätze und quasi vorhandene Plätze.

00:10:21: Also wie Prozent kriegen deinen Zuschlag so ganz grob?

00:10:24: Ist es die Hälfte oder zwanzig Prozent?

00:10:26: Was würdest du schätzen?

00:10:28: Deutlich weniger als die

00:10:30: Hölfte!

00:10:31: Okay gut also haste dich offensichtlich sehr erfolgreich beworben.

00:10:38: Und von deiner Erfahrung auch wenn du sagst, es entscheidet der Computer.

00:10:42: Du würdest sagen, dass Networking über die Forschungszeit hilft.

00:10:47: Dass sich dann die valge Fakultät irgendwie hoch rankt?

00:10:51: Ja das ist das Einzige was wirklich zählt also dass sie einen kennen und auch die persönliche Verbindung haben und einem dann auch die entsprechenden Briefe schreiben, die man braucht fürs Interview und einer entsprechend hoch ranken.

00:11:05: Vielleicht noch mal zum Staatsexamen.

00:11:08: Wie schwer ist das jetzt, wenn man in Deutschland studiert hat und noch relativ frisch alles im Kopf hat?

00:11:15: In den USA diese mehrstufige amerikanischen Staatsexaminat zu absolvieren.

00:11:23: Also ich würde sagen es ist sehr viel ähnlich.

00:11:26: Es sind auch multiple Choice Fragen und die.

00:11:29: das erste Staatsexamen zum Beispiel ist da sehr oder der erste Step ist sehr ähnlich dem Physikum und dann vielleicht den nächsten Examen bei uns.

00:11:40: Das größte Problem ist immer dadurch, dass es auf Englisch ist und alles genau getimt wird.

00:11:45: von der Zeit in Blöcken von einer Stunde ist es am schwierigsten das in der Zeit alles zu lesen was sie an teilweise an Text haben.

00:11:53: also man muss tatsächlich üben und ich würde eben immer raten so schnell wie möglich nach dem Physikum oder den eigenen Examen zu machen dass man den Stoff an sich schon hat in der Zeit eigentlich zusammenbringt, die davor gegeben ist.

00:12:08: Auch diese Fälle, die sie einem dann geben.

00:12:11: Also fallbezogen so ähnlich wie es hier jetzt auch?

00:12:13: Fallbezogen

00:12:14: statistisches Ausrechnen teilweise auf Zeit ja

00:12:18: und kann man das auch hier in Deutschland schreiben.

00:12:21: oder muss man also gibt's da einen Prüfungsort hier oder muss mal da in den USA fliegen und da gibts für die Ausländer eine zentrale Anlaufstelle?

00:12:32: Ich dachte eigentlich, dass man das auch... ich habe meins damals in den USA gemacht.

00:12:36: Aber ich dachte, man kann es auch in Deutschland machen.

00:12:39: Es gab mal eine praktische Prüfung noch für die musste wir in die USA gehen.

00:12:43: aber ich bin der Meinung, sie hatten es ja zwischenzeitlich abgeschafft.

00:12:48: Es hat mir gehört du warst nach dem Medizinstudium zunächst einmal zum Forschen in den USA was dann zurückgekommen nach Deutschland für die Klinik.

00:12:56: Aber an einem gewissen Zeitpunkt hast du ja für dich entschieden, du möchtest auch für die Klinik wieder zurück in die USA.

00:13:03: Kannst du uns dann nochmal sagen was war dein Beweggrund?

00:13:05: Gab es so ein auslösendes Momentum wo du gesagt hast jetzt reicht's ich will aus Deutschland raus und wieder zurück In die USA.

00:13:14: Ganz so extrem wars nicht.

00:13:16: also Ich wusste ich wollte noch mal zwei Jahre Forschung während der Facharzt Ausbildung machen Und ich hatte noch Projekte, die noch nicht fertig waren und das Labor dort hat mehrfach gebeten dass ich nochmal zwischendurch kommen.

00:13:30: Und deswegen habe ich dann nach dem klinischen Jahr nochmal Forschung in Boston gemacht und in der Zeit wurde dann angefragt ob ich nicht für meine deutsche Verharztausbildung bestimmte Kurse machen könnte in den USA.

00:13:42: also wir haben da noch nicht mal von einer ganzen Verharzausbildung geredet.

00:13:46: Nach Diskussionen hat man dann bei der amerikanischen Ärzte Kammer angefragt, ob es für Internationale da eine Position gibt.

00:13:54: Und die haben damals eine einmalige Ausnahme gemacht über die ACGME und so eine Position kreiert.

00:14:04: Die hat mir erlaubt, dann tatsächlich den Rest der Fachartsausbildung am Ende dort fertig zu machen.

00:14:09: aber die gibt's jetzt nicht mehr die Positionen.

00:14:12: Es war dann auch so dass ich Aus privaten Gründen, weil ich dann meinen heutigen Mann dort kennengelernt habe.

00:14:18: Mich auch irgendwann entscheiden musste wo bleibe ich jetzt eigentlich?

00:14:22: und das hat damit beeinflusst dass ich gesagt hab ok ich mache sein USA fertig

00:14:26: Ok!

00:14:27: Und dann beginnt die Assistenzarztzeit in den USA.

00:14:31: Die ist ja komplett anders strukturiert als in Deutschland Ist auch ein bisschen kürzer glaube ich ne?

00:14:37: Fünf Jahre

00:14:37: Fünf jahre Genau Und konntest du dir da was von Deutschland anrechnen lassen?

00:14:43: Ja, ja.

00:14:44: Also dieses erste Jahr dann im Prinzip dieses Internship weil das auch schon HNO war und dass das ging.

00:14:51: aber also grundsätzlich fängt man ja dort am ersten Juli an und hört am dreißigsten Juni fünf Jahre später auf.

00:15:00: Das heißt in der Zeit diese Zeit muss man im Prinzip trotzdem abdecken

00:15:05: Okay, und man durchläuft dann aber sehr strukturiert verschiedene Positionen in so einer Klinik.

00:15:10: Also es ist nicht so wie hier dass man dann einen Rotationsplan vom Oberarzt oder vom Chef bekommt und dann wird mal ein bisschen mal hier hin und da hin, mal ein Bisschen Station sondern ich glaube das ist wesentlich strukturierter und auch vorgegeben strukturieren.

00:15:23: Es ist ein sehr detaillierter Plan, also jeder weiß immer in jeder Woche genau wo er eingeteilt ist.

00:15:30: In welcher Abteilung?

00:15:31: In welche Unterspezialisierung und das ist auch abhängig vom Jahr oder von wie weit man in der Ausbildung dann schon ist und dazu gehört dann auch Dienst.

00:15:41: In bestimmten Jahren im letzten Jahr macht man keinen Dienst da ist man dann der Altassistent und teilt dann wiederum die anderen ein.

00:15:50: Man hat zwei Blöcke für Forschung normalerweise.

00:15:53: Die sind ungefähr so drei Monate, das variiert ein kleines bisschen.

00:15:56: In der Zeit hat man ein bisschen mehr Flexibilität was man machen kann aber man muss normalerweise trotzdem noch Dienste mit abdecken und man wird evaluiert von den Oberärzten die also für die Ausbildung an sich zuständig sind und da gibt es minimum zwei.

00:16:14: und umgekehrt evaluieren die Assistenten auch die Oberärzte.

00:16:18: Das finde ich ein geiles Konzept.

00:16:20: Ja, das hört sich eigentlich sehr strukturiert an und eigentlich habe ich bisher noch keinen wirklichen Nachteil rausgehört wenn ich so vergleiche zu dem Konzept wie wir hier in Deutschland die Facharzt-Weiterbildung haben.

00:16:33: Wie ist es denn mit churogischen Eingriffen?

00:16:35: Also wir in Deutschland haben ja schon relativ früh während der Fachartsausbildung die Möglichkeit im OP tätig zu werden.

00:16:41: Bei den Kollegen in der Schweiz ist es eher so dass man nach dem Facharz dann eher anfängt zu operieren.

00:16:47: Wie ist das in den USA?

00:16:49: Sehr früh im OP, also das ist auch das Ziel.

00:16:52: Das kann vielleicht ein bisschen variieren was es erste oder zweite Jahr angeht aber auch da wird man von vornherein im OP eingeteilt.

00:17:01: Dadurch, dass man seinen Arbeitsalltag deutlich früher anfängt werden die ganzen Arbeiten auf Station zwischen fünf Uhr und sieben Uhr dreizig erledigt.

00:17:09: Und dann ist auf der Station meistens nur noch eine Krankenschwester oder so ein Physician-Assistent das wir haben.

00:17:16: Ab und zu der Erstjahresassistent und alle anderen können in den OP.

00:17:22: Jeder Assistent ist einem Oberarzt zugeteilt und die Aufgabe des Oberarts ist es dann, einem die OP zu erklären.

00:17:29: Okay, das heißt wir haben ja hier viel Hochschulambulanz wo sehr viele Leute drin sind und sowas.

00:17:36: dann in der Privatsprechstunde sind häufig auch Assistenten ist gar nicht so üblich.

00:17:40: Sondern da ist es so dass jeder eigentlich ich sage jetzt mal Oberarzt dort oder selbst ihre Private Practice dort machen dann und es halt eine Notfalllinie gibt oder eine zentrale Notaufnahme.

00:17:52: kann man das so sagen

00:17:53: Genau.

00:17:54: Entweder eine zentrale Notaufnahme, wo man hingeschickt wird für Konsole oder jetzt in meinem Fall ... Wir hatten eigene HNO-Notfallaufnahmen, wo dann auch man hinrotiert ist aber halt mal einen Tag oder so, wo auch ein Oberarzt das überwacht hat genau.

00:18:09: Das hast du erwähnt?

00:18:10: Die Stationsarbeit startet um fünf Uhr morgens.

00:18:14: Richtig!

00:18:14: Das ist zu Deutschland nicht ganz so üblich.

00:18:17: Was war denn für dich so, ich sag mal der größte Kulturschock im amerikanischen Klinikalltag?

00:18:22: Was hat dich am meisten irgendwo überrascht.

00:18:26: Ich denke schon die Arbeitszeiten an sich und ich war ja schon in der Zeit wo sie dann reguliert wurden.

00:18:31: also bei mir war die achtzigstundenwoche festgesetzt.

00:18:34: davor gab es keine Regeln.

00:18:35: da konnte es dann auch mal hundert Stunden werden.

00:18:38: aber die achzig stunden wurden dann eingeführt.

00:18:40: und auch dass man nach vierundzwanzig stunden heimgehen muss das gab's davor nicht.

00:18:45: Okay, die Achtzigstundenwoch.

00:18:49: Das klingt sehr gut!

00:18:53: Ja dann hast du deine... gibt es da eine Prüfung nach der Residenz wie eine Facharztprüfung analog zu uns oder?

00:18:59: Gibt's auch genau.

00:19:01: Gibt es mündlich und schriftlich.

00:19:04: Und nach der Residentie kommt das Fellowship.

00:19:09: ist es obligat?

00:19:12: Vielleicht kann man zum Thema Fellowship noch was sagen.

00:19:14: Es gibt ja hier mittlerweile auch so ein bisschen, aber nicht so konsequent sage ich mal.

00:19:20: Richtig!

00:19:20: Ja nein also es ist nicht obligat und es gibt immer noch Genügen die auch in die Allgemeinheitspraxis gehen.

00:19:27: an den größeren Zentren ist aber oft so dass sich dann die Assistenten dafür entscheiden das sie auch noch einen Fellowship machen und sich zusätzlich unterspezialisieren an den akademischen Häusern.

00:19:37: Das heißt man kann als HNO-Arzt arbeiten ohne Filusch zu sein, aber man darf da nicht operieren oder doch.

00:19:45: Man darf die einfachen normalen Sachen operieren.

00:19:48: Das heißt, man kann theoretisch auch ein Stabes machen.

00:19:52: Aber eine Tympano Plastik, man kanne Parottis machen und man kann vielleicht irgendeinen Hals-Lymphknoten rausmachen, Sinus-OP so wie bei uns eigentlich auch.

00:20:03: Die Unterspezialisierung sind dann um nochmal zusätzlich sich Fähigkeiten anzueignen, zum Beispiel in der Otologie die laterale Schädelbasis, Tumorschirurgie oder CI-Chirurgien und dann in der Larungologi was man zum Thema Stimme machen kann.

00:20:21: Und bei der Kofaltchirurgy natürlich die ganzen Flabs.

00:20:23: da geht es hauptsächlich um die Flabs und die Mikroschirugie.

00:20:28: Für die Rhinologie wäre es vor allen Dingen die vordere Schädlbasis die dann im Fellowship noch dazukommt.

00:20:35: Okay, und wie lange geht so ein Fellowship?

00:20:36: typischerweise?

00:20:37: Typischerweise ein Jahr.

00:20:39: Aber das otologische geht zwei Jahre.

00:20:42: Natürlich!

00:20:42: Klar als Otologe kann ich unterstreichen dass das wahrscheinlich auch nicht reicht.

00:20:47: Noch mal einen Schritt zurück.

00:20:49: du hattest gesagt man ist einem Oberarzt fest zugeteilt als Assistent und gibt mit dem in den OP.

00:20:57: bedeutet es gibt ein Verhältnis Oberärzte und Assistenten eins zu eins.

00:21:04: Wir haben ja hier in der Klinik eine Art Pyramide, also viele Assistentinnen und dann wenige Oberärzte.

00:21:10: Also hier wäre das so eins zu eins nicht denkbar?

00:21:13: Wie ist das in den USA genau?

00:21:15: Man muss trotzdem zwischendurch auch mal in die Sprechstunde gehen oder mal die Notaufnahme machen.

00:21:20: aber im Normalfall wenn ich jetzt eingeteilt bin in der Rhinologie, dann gehe ich mit dem Rhinologen in seine Sprechtunde.

00:21:28: Die Patienten gehören ja jeweils dem Arzt und nicht der Klinik.

00:21:31: Das heißt, der Arzt kennt seine Patienten selber, sieht die Patienten selber und entscheidet wer die OP braucht und er operiert sie dann auch selber.

00:21:38: Und diese Patienten sehe ich eben im OP mit dem Oberarzt.

00:21:45: mehr oder weniger hilft mir durch die OP weil man hat eine gewisse Lehraufgabe.

00:21:52: Und die Hierarchien zwischen Oberärzten und Assistenten?

00:21:56: Ist das vergleichbar oder ist es eher flacher?

00:21:59: Deutlich flacher, ja.

00:22:02: Okay also das klingt alles sehr spannend.

00:22:05: ich habe das Gefühl dass nach dieser Podcastfolge sich viele Leute in den USA bewerben werden und dann kommen wir vielleicht noch mal zum langfristigen Leben in USA.

00:22:15: Ich mein Fellowship ist ja auch schon ein bis zwei Jahre nochmal oben drauf.

00:22:20: aber wie sieht's denn danach aus?

00:22:23: Wir haben in Deutschland Wir haben ja über Karrierewege gesprochen, es gibt halt einmal den Klinikweg.

00:22:29: Dann gibts die Niederlassung.

00:22:31: Die schreckt viele ab weil man dann einfach die ganzen spannenden Sachen verliert häufig eben die Forschung auch oder auch die spannenden OPs.

00:22:40: wie ist das denn in den USA?

00:22:43: Sehen wir mal die Postfellow-Zeit sag ich mal

00:22:46: Ja, also die Privatpraxis ist wie bei uns auch.

00:22:50: Da erinnert sich nicht wirklich was.

00:22:51: wenn man jetzt an einem akademischen Haus bleibt und sich dafür entscheidet weiterhin Forschung zu machen kann man versuchen das am Feierabend zu machen oder man hat die Möglichkeit.

00:23:00: und es war auch das was ich gemacht habe.

00:23:02: Ich hab mich für einen Antrag der Regierung beworben Der mir spezielle Zeit gibt in meinem Klinikalltag der nur für Forschung genutzt werden darf Und dass wird dann auch bezahlt.

00:23:14: Also ich kriege zusätzlich Mein Gehalt abgedeckt für diese Zeit und in meinem Fall waren es fünfzig-fünfzig, also fünfzig Prozent Forschung.

00:23:22: Fünfzig Prozent Klinik damit man keinen Nachteiler hält.

00:23:25: wenn man das dann macht und der läuft über fünf Jahre und danach ist man dann eigenständig aber sollte auch entsprechend die Fähigkeiten haben sich für die ganz großen zum Beispiel die DFG Anträge dann in Deutschland während des Sich zu gewerben Genau.

00:23:41: Und man kann auch nur ein oder zwei Tage Forschung machen, das geht auch.

00:23:45: Man kann sich auch für kleinere Anträge bewerben aber es wird dann natürlich schwieriger diese Zeit extra zu bekommen.

00:23:52: Das muss man doch sehr deutlich mit dem jeweiligen Klinikchef besprechen und es gibt immer die Gefahr dass die Klinique doch überhand nimmt.

00:24:01: also das bleibt sich gleich würde ich sagen und man muss mir dann doch teilweise sehr streng sein mit seiner Zeiteinteilung.

00:24:09: Es hat Stefan schon gesagt, nach unserer Folge werden alle sich in den USA bewerben.

00:24:14: Du hast ja die Facharzt zweiter Bildung teilweise in Deutschland und eben in den USA durchlaufen.

00:24:21: Gibt es denn aus deiner Sicht auch etwas was in Deutschland besser ist als in den

00:24:25: U.S.?

00:24:26: Ich denke, man hat mehr Flexibilität was vielleicht andere wiederum als positiv bewerten würden.

00:24:33: Zum Beispiel ich war schwanger in der Verharzdausbildung und es war ganz klar ich muss arbeiten bis zum Tag an dem das Baby kommt und dann hinterher habe ich genau sechs Wochen und danach muss ich wieder auf der Matte stehen.

00:24:48: anfällt, um die anderen nicht zu benachteiligen muss man dann vorholen oder nachholen.

00:24:53: Ja also man kann da eben auch nicht länger daheim bleiben und danach hat man trotz Kind und allem wieder die achtzig Stundenwoche.

00:25:02: Okay gut!

00:25:03: Die Bewerbungszahl wird ja signifikant zurückgehen.

00:25:07: Vielleicht noch mal so ein Thema über das man nicht so viel spricht aber dass dann doch immer wieder im Raum liegt.

00:25:14: wie ist es denn?

00:25:16: Langfristig mit dem Gehalt in den USA werden amerikanische HNO-Ärzte reich.

00:25:26: Deutsche HNO Ärzte werden es typischerweise nicht, ja aber ich meine das ist schon so eine Frage die unausgesprochen im Raum steht.

00:25:34: Ich habe auch als ich bei euch war sehr viel übergesehen.

00:25:37: halt einfach Leute.

00:25:39: Die ganze Vergütungsstruktur ist anders.

00:25:41: Der Anesthesist kriegt sein Schein, der Chirurg kriegt seinen Schein die Klinik kriegt ihren Schein und da läuft ja alles komplett anders ab was die Vergütung angeht.

00:25:51: aber genau vielleicht ist das nochmal so ein Aspekt der die Systeme voneinander unterscheidet?

00:26:00: Vielleicht bevor wir direkt auf den HNO Facharzt gehen wie sieht denn die Zeit Residency oder eben Fellowship-Zeit aus?

00:26:07: davor?

00:26:08: Das ist sehr ähnlich zum deutschen System.

00:26:10: Also die kriegen nicht viel, das ist sehr vergleichbar.

00:26:12: Die arbeiten nur vierzehn Stunden mehr.

00:26:15: Okay und dann als fertiger HLO Ärzte Ärztin?

00:26:19: Wie sieht es da aus?

00:26:21: Ja muss man unterscheiden wenn man an einem akademischen Haus bleibt wird man jetzt nicht reichern, wird man Mittelstand und dann kommt ein bisschen aufs Vergütungsmodell drauf an in die akademische Häuser Teilweise haben noch so eine Mischung aus Privatarztmodell und ihrem klinischen Modell.

00:26:40: Und dann kann man, wenn man entsprechend viele OP's macht zusätzlich Bonus bekommen oder eine Gehaltstufe höher rutschen.

00:26:47: aber es gibt auch andere akademische Zentren wo jeder genau das gleiche kriegt egal wie viel er arbeitet und dass ist da nicht unbedingt hoch.

00:26:58: Wenn man jetzt sich dafür entscheidet, in eine HNO-Praxis zu gehen.

00:27:04: In North Dakota wo sonst niemand hin möchte dann kann es sein... Dann kriegt man plötzlich den dreifachen Lohn und dort sind die Lebenskosten natürlich auch extrem gering.

00:27:14: da kann man tatsächlich.

00:27:15: dann könnte man sagen man kann reich werden.

00:27:17: ja aber im Boston selber wo alles vier fünf mal so viel kostet wie jetzt hier da wird's dann schwierig.

00:27:24: Ja da ist kulturell reich Und das gibt guter ausdann

00:27:30: Richtig.

00:27:32: Jetzt hatten wir das Klinische schon wieder, also was verdient man als fertiger HNO-Ärzte Ärztin?

00:27:39: Wenn wir nochmal den Schritt nach vorne gehen du warst da zunächst mal im Labor und wenn ich mich dafür entscheide nach meinem Medizinstudium mein Karriereweg soll Forscher sein Ich möchte im Labor bleiben.

00:27:51: Wie ist es denn da mit der Vergütung?

00:27:53: Deutlich

00:27:53: schlechter als jetzt in der Klinik.

00:27:55: Also, der Durchschnittinstructor oder Assistant Professor, der anfängt, kriegt vielleicht – und ich sage mal die Boston-Nummer zwischen Achtzigundhunderttausend aber muss noch davon Steuern zahlen.

00:28:10: Und wie gesagt, die Stadt ist ungefähr viermal so teuer als den Durchschnitt in USA oder auch hier.

00:28:17: Da bleibt dann nicht so viel.

00:28:20: Okay!

00:28:21: Jetzt in Deutschland ist so ein Karriereweg ja häufig davon abhängig, dass man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist und das hier jemand trifft der einen fördert und mitnimmt.

00:28:32: Ist es in den USA vergleichbar oder gibt's in den US mehr Möglichkeiten die Karrieren selbst in die Hand zu nehmen und selbst voranzutreiben?

00:28:41: Wie würdest du das einschätzen?

00:28:43: also Glück und Verbindungen sind immer gut spielt mit Sicherheit eine Rolle Aber man kann tatsächlich auch sich selber hocharbeiten.

00:28:51: Es geht ja normalerweise vom Instructor zum Assistant Professor, man weiß relativ genau das sind vielleicht so und so viele Jahre und dies und jenes muss ich akademisch machen.

00:29:01: Das hängt oft mit der Forschung zusammen oder man macht dann im Prinzip was für die Assistenten wäre.

00:29:07: auch da kann man sich hocharbeiten und dann für den Associate Professor sind es eben nochmal extra fünf Jahre.

00:29:15: Und wenn man entsprechend produktiv ist, je nachdem in seinem Gebiet, dann kann man das relativ gut erreichen?

00:29:23: Ja, das ist ein total spannendes Thema gewesen heute und ich glaube wir haben wahnsinnig viel schon erfahren über Die Unterschiede USA und Deutschland.

00:29:35: Und warum es Sinn macht, in die USA zu gehen?

00:29:38: Warum sich manche Leute ärgern.

00:29:39: das ist vielleicht nicht gemacht haben.

00:29:41: Ich glaube dass wir heute jetzt schon am Ende von unserem wahnsinnig spannenden Thema Go West sind Auch wenn ich das Gefühl hatte wie immer Wir könnten noch ewig weiter sprechen.

00:29:52: Dann bleibt mir noch zu sagen Judith vielen Dank fürs dabei sein.

00:29:57: Und dann war das Folge zweiundvierzig Von Hals über Kopf!

00:30:01: Wir hören uns Tschüss,

00:30:12: tschüss!

00:30:19: Let's talk about EMC.

00:30:36: That's what we do!

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